Gemeinsam beten - mit den Marienschwestern beten

In dieser Krisenzeit beten wir Schwestern im Schönstatt-Heiligtum die Novene «Was immer ist: Mit Maria» und den Rosenkranz und bitten die Gottesmutter, allen, die auf unser Gebet vertrauen und sich zu Hause unserem Gebet anschliessen, beizustehen und Gottes besonderen Schutz zu erbitten. Wir laden Sie ein, in ihrer Gebetsecke zu Hause mitzubeten.

Novene "Was immer auch ist: Mit Maria!"

7. Tag: Die Helferin in allen Nöten

«Unsere Not auch ist so riesenhaft gestiegen,
dass wir ohne deine Hilfe unterliegen;
du allein kannst uns vorm Untergang bewahren.
Komm und sieh, wie wir uns bittend um dich scharen.»

(Ausschnitt des «Notgebet» von Pater J. Kentenich,
entstanden im KZ Dachau)

Der Text spricht zu uns

Hier wird das Bild eines neuen Menschen dargestellt. Das ist das Bild eines Menschen, der seine Grenzen sieht und einsieht, der seine Grenzen kennt und anerkennt. Und darum ist der Gedanke in dieser Strophe ganz einfach: «Wir können nicht mehr. Wir brauchen dich. Komm und hilf uns.» Also keine grossen Gedanken mehr, nur einfach die Bitte: «Komm und hilf uns.»

Not hatte Etappen in der Geschichte der Menschen und auch der Kirche. Die Not kam aus den Verhältnissen in der Natur. Es war kalt im Winter, und die Menschen sind erfroren.

Es war kalt im Frühjahr, und die Ernte wurde zerstört. Man hat gehungert, gelitten. Dann, jetzt in der Neuzeit, wurde alles besser. Und in der Tat: Das Lebensalter der Menschen ist gestiegen und wir leben gesünder. Freilich – die innere Not gibt es auch. Die Not im Zusammenleben der Menschen. Die Not, wo einer nicht mit sich selber zurechtkommt. Not ist eine Enge. Die Möglichkeiten zu leben und zu handeln werden eingeschränkt. Es werden dem Menschen immer mehr Möglichkeiten genommen. Und diese Enge führt zu einer Not. Wenn die Möglichkeiten so sehr abnehmen, dass fast nichts mehr übrig bleibt – also nicht mehrere Möglichkeiten sind, zu leben, sich zu entfalten, dann sprechen wir von Not. Es geht nichts mehr.

Es gibt nur noch das Eine. Und morgen gibt es auch das nicht mehr. Zum Mangel gestellt sich die Angst. Die Enge des Herzens. Die Bedrängnis.

In der Schule von Pater Kentenich

Pater Kentenich sagt nun: «Wir erliegen ohne deine Hilfe.»
Er hat mit seinem Gefährten im Konzentrationslager Dachau die Gottesmutter zur «Brotmutter» erwählt. Und die Paketsperre fiel: Es durften Pakete von draussen empfangen werden. Dadurch war die Chance, dass man überleben könnte, ein wenig gewachsen.

Man spürt: Diese Beschreibung der Not in der Strophe, die wir lesen, hat einen besonderen Charakter. Zunächst beobachten wir, was diese Not nicht ist. Es ist kein Weg in die Verzweiflung. Verzweiflung bedeutet: Es gibt keine Hoffnung. Der Mensch bricht zusammen und sinkt in sich zusammen.

Wenn der Stolze sieht, dass er es nicht mehr schafft, dann hat er nichts mehr, woran er sich halten kann und er bricht zusammen.

Botta-Kirche, Monte Tamaro - Maria, Rose ohne Dornen

Entweder in eine hilflose Verzweiflung oder – und das macht keinen Unterschied – in die Verzweiflung einer giftigen Überheblichkeit und Arroganz: «Ich brauche keine Hilfe! Ich bin mir selbst genug!»
Dies ist die Verzweiflung nach Art der Hölle. Dorthin mündet Not aus, wenn wir nicht ehrlich zu uns sind und sagen: «Ich kann nicht mehr weiter ohne deine Hilfe.» Das heisst: Wir sind am Ende, wir können nicht mehr. Und jetzt schauen wir nicht auf uns selber zurück, sondern wir schauen nach vorne. Und dort, wo wir keinen Weg nach vorne mehr sehen, da sehen wir die Muttergottes. Wir sagen ihr: «Du allein kannst uns vorm Untergang bewahren.»

Pater Kentenich nennt diesen Vorgang «Glauben gegen den Glauben». Und er meint damit: Menschlich gesprochen ist alles aussichtlos. Aber bei Gott ist alles möglich. Und damit verändert sich der Blick auf uns selbst. Wunder sind möglich. Die Gottesmutter kann uns das schenken. Sie bittet ihren Sohn und sagt ihm: «Sie haben keinen Wein mehr.» Das heisst: In das leere irdene Gefäss unserer Selbsterfahrung hinein kommt die Hilfe von oben. Und je grösser unsere Hilflosigkeit, desto grösser muss unser Vertrauen sein. Die Gottesmutter kann uns helfen. Sie kann wirklich helfen. Sie ist mächtig.

Nur um das Bild ein wenig anzureichern, richten wir unseren Blick auf fernöstliche Religionen:
Der Glaube an die Wiedergeburt gibt uns ein Zeugnis von einem grossen, edlen Menschsein. Der Mensch nimmt sich selber in Pflicht. Er lässt sich nichts durchgehen: keine Halbheiten, keine Lieblosigkeiten, keine Bosheiten. Er erwartet von sich selber Ruhe und Gelassenheit, vollkommene Güte, Weite des Herzens, Kraft und Stehvermögen. Man wünscht den Christen eine solche Denkweise. Aber dieser Mensch des Fernen Ostens sieht sich nur selbst. Und in dieser lastenden Verantwortung steht die Idee der Wiedergeburt vor ihm. Wenn er die volle Reinheit des Herzens in diesem Leben bis zum Lebensende nicht erringen kann, dann bekommt er eine zweite Chance in einem neuen Leben. In einem dritten und vierte und fünften Leben. Aber er muss den Weg zur Reinheit des Herzens allein gehen.

Und das ist anders bei uns, die wir Gott als Vater und die Gottesmutter als Mutter haben. Wir werden die Reinheit mit unserer ganzen Selbsterziehung nur ganz unvollkommen erreichen. Aber dann wenden wir uns an die Gottesmutter und sagen: «Komm und sieh, wie wir uns bittend um dich scharen.»

Und jetzt ganz praktisch:

Wir schauen den Tag hindurch immer wieder auf die Gottesmutter. Und sagen ihr: «Du bist bei mir.»

Hier noch einmal die Strophe aus dem Notgebet.
Sie kann uns den ganzen Tag begleiten, wie ein kleines Stossgebet.

«Unsere Not auch ist so riesenhaft gestiegen,
dass wir ohne deine Hilfe unterliegen;
du allein kannst uns vorm Untergang bewahren.
Komm und sieh, wie wir uns bittend um dich scharen.»