Gemeinsam beten - mit den Marienschwestern beten

In dieser Krisenzeit beten wir Schwestern im Schönstatt-Heiligtum die Novene «Was immer ist: Mit Maria» und den Rosenkranz und bitten die Gottesmutter, allen, die auf unser Gebet vertrauen und sich zu Hause unserem Gebet anschliessen, beizustehen und Gottes besonderen Schutz zu erbitten. Wir laden Sie ein, in ihrer Gebetsecke zu Hause mitzubeten.

Novene "Was immer auch ist: Mit Maria!"

3. Tag: «Die zweite Eva»

«Er hat dich als zweite Eva auserkoren:
Du sollst retten, was die erste hat verloren;
Gleichwie sie uns in Verfall hineingezogen,
so gehen aus von dir des ewigen Heiles Wogen.

Nach des Vaters liebevollen Weisheitsplänen
Soll die Erde stets als Jammertal sich wähnen,
bis ihr leuchtend aufgeht der Verklärung Sonne
und sie widerspiegelt selige Himmelswonne.»

(Ausschnitt des «Notgebet» von Pater J. Kentenich,
entstanden im KZ Dachau)

Der Text spricht zu uns

Maria, die zweite Eva.
So haben es die Kirchenväter in den ersten Jahrhunderten des Christentums gesehen. Die Parallele Eva – Maria. Beide stehen am Anfang.
Die eine weiss es besser. Und die andere erfährt es. Das ist wie Tag und Nacht.

Eva weiss es besser. Sie weiss es von der Schlange. Man muss sich durchsetzen. Man muss seine Gefühle zum Ausdruck bringen. Man muss es ihnen sagen, denen, die einem etwas angetan haben. Die Schlange hat es gesagt: „Ihr werdet das Gute und das Böse erkennen. Die Augen werden Euch aufgehen. Ihr werdet das wahre Menschsein erkennen. Und es wird keine Verdrängungen mehr geben. Und lasst Euch nichts gefallen. Erst dann ist Klarheit. Und ihr werdet sein wie Götter.“ (vgl. Genesis 3,5)

Bei Maria war es anders.
Von ihr gehen die Wogen des ewigen Heiles aus, das heisst ein Strom von Heil. Und dieses Heil kommt nicht aus Selbstverwirklichung, sondern aus der Erwartung. Es kommt aus dem geöffneten Herzen und aus dem kindlich-bereiten Willen. «Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.» (Lk 1,38)

Oder Sie hätten eine Besprechung mit dem Chef nach dem Mittagessen gehabt, mit einem kleinen Spritzer von Tomatensuppe auf dem blütenweissen Hemd. Sie sprechen dann nicht von einem äusseren, ordentlichen Schmerz wie Kopfweh; Sie sprechen dann von einem ganz feinen inneren Schmerz. Sie spüren Geringschätzung, ein mildes Lächeln oder gar Verachtung.

Verachtung tut weh. Diesen Schmerz sieht die Gottesmutter bei der Hochzeit zu Kana. Und darum greift sie in das Geschehen ein und sagt ihrem Sohn: «Sie haben keinen Wein mehr.» (Joh 2,3) Sie sind verwundet bis innen hinein. Die Bitte der Gottesmutter trifft den Herrn. Er weiss, was sie meint. Sie bittet nicht um die Heilung eines Gelähmten; sie bittet nicht um die Befreiung eines Besessenen. Sie bittet um die Heilung einer seelischen Wunde, die einen Menschen ganz tief in seiner Hilflosigkeit und Verwundbarkeit zeigt.
Jesus lehnt ab, und Maria glaubt: «Was er euch sagt, das tut.» (Joh 2,5) Und Jesus wirkt das Wunder.

In der Schule von Pater Kentenich

Diejenigen, die ein solch kindliches Herz haben, finden mühelos die Verbindung zu Pater Kentenich. Die geistige Welt, die uns der liebe Gott durch Pater Kentenich geschenkt hat, ist eine Welt der Kindlichkeit. In der Zeit seines Exils in Milwaukee sagt er einem Besucher: «Sehen Sie, ich löse alles mit Kindlichkeit.»

Das war die Kindlichkeit eines grossen Menschen; und diese Kindlichkeit bedeutet:  Sich selber vor Gott klein wissen. Hier treffen wir das grösste Problem unserer Zeit: den Stolz. Pater Kentenich sagte einem Besucher: Der heutige Mensch hat verzweifelt wenig Kontingenzbewusstsein (Bewusstsein seiner eigenen Begrenztheit). Er will alles wissen und können und er meint, er müsse alles wissen und können. – Wund wenn er merkt, dass er etwas nicht weiss oder nicht kann; wenn er spürt, dass er einem anderen unterlegen ist, dann wird er depressiv oder aggressiv. Er versinkt in Selbstmitleid oder bitterer Angriffslust.

Pater Kentenich ist ein kindlicher Mensch. Und  er nimmt uns hinein in diesem Geist der Kindlichkeit. Und darum sagt er, was man eigentlich «nicht sagen darf», was wie eine ganz schlimme Häresie klingt:
«Nach des Vaters liebevollen Weisheitsplänen
Soll die Erde stets als Jammertal sich wähnen.»

Man bedenke: Das ist aus der Sicht und vom Lebensgefühl des modernen Menschen her eine «Todsünde». So darf man doch nun wirklich nicht reden. Wir Christen haben doch den Auftrag, die Welt schöner zu gestalten. Die Wunden zu heilen. Die Wüste zum Blühen zu bringen. Und da redet einer vom «Jammertal», das die Erde darstellt. Das ist an sich schon schlimm genug. Das hat uns doch Karl Marx ganz gründlich abgewöhnt. Er hat gesagt: «Eure Religion ist Opium für das Volk. Ihr vertröstet die Menschen auf die himmlische Seligkeit und unterstützt die Reichen, die die armen Arbeiter ausbeuten.» Und da kommt also Pater Kentenich und sagt, dass die Erde sich stets als «Jammertal» sehen soll. Und hier ist das Geheimnis:

Ja, das ist wahr. Der ewige Vater will, dass die Erde sich stets als Jammertal sieht.
Pater Kentenich nennt dieses «Wollen» des himmlischen Vaters einen «Liebesplan». Also: Der Vater im Himmel will, dass sich die Erde als Jammertal erlebt, weil er sich den Menschen schenken möchte. Und dann geht ihr «der Verklärung Sonne» auf. Dann gibt es wieder Freude. Die menschliche Natur wird herausgerissen aus dem Jammertal und Gott ist uns ganz nahe. Was einmal im Himmel sein wird, das erleben wir dann jetzt schon. Wir erleben eine unbeschreibliche Seligkeit darüber, dass Gott uns sagt: «Du bist mein Ein und Alles.»

Und jetzt ganz praktisch:

Wir sagen uns immer wieder: «Nimm dich nicht so wichtig. Der Vater im Himmel mag dich.»

Hier noch einmal die Strophe aus dem Notgebet.
Sie kann uns den ganzen Tag begleiten, wie ein kleines Stossgebet.

«Er hat dich als zweite Eva auserkoren:
Du sollst retten, was die erste hat verloren;
Gleichwie sie uns in Verfall hineingezogen,
so gehen aus von dir des ewigen Heiles Wogen.

Nach des Vaters liebevollen Weisheitsplänen
Soll die Erde stets als Jammertal sich wähnen,
bis ihr leuchtend aufgeht der Verklärung Sonne
und sie widerspiegelt selige Himmelswonne.»